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(Originaltexte des Einbandes)
Ich bin, was den Tatbestand Mord betrifft, nicht unbefangen. Als Volontär bei einer Tageszeitung erlebte ich Mord und seine Aufklärung zum ersten Mal. Es störte mich, daß niemals auch nur annähernd genügend Platz auf der Lokalseite zur Verfügung stand, um den Mord, was dazu führte und seine Aufklärung bis ins Detail zu schildern. Ich mußte mich darauf beschränken, was der Leser gemeinhin erwartet: auf den spektakulären Teil eines Falles, auf das shocking, auf schillernde Nebenfiguren. Mir wäre viel wichtiger gewesen, schildern zu dürfen, wie die Mordkommission und ihr Leiter sich an einen Mörder heranpirschen. Später begegnete ich dem Mann, der sich bereitfand, mir alles - alles! - über Mord zu sagen, was er wußte. Er wußte viel. Hermann Schmitt, als Mord-Schmitt weithin bekannt geworden, ist einer der großen Kriminalisten im Nachkriegsdeutschland. Wir setzten uns zusammen und sprachen über Mord und die Mordkommission. Insgesamt haben wir zwei Jahre lang über Mord und Mörder gesprochen. Wie er sie fing, wie er sie überführte, wie er sie erlebte. Wir sprachen natürlich auch über seine Mißerfolge. Und wir gingen uns auch auf die Nerven. Er erzählte Geschichten, die ich ihm - trotz seiner Beweise - nicht glauben wollte. Ich stellte immer wieder lästige Fragen. Er ließ mich schließlich allein mit etwa 3000 Seiten Notizen, Analysen, schriftlich fixierten Sentenzen und einem kleinen Tonbandarchiv um 1800 Minuten. Punktum. Aber dann kam der Verlag. Ich schrieb das Buch. Hier ist es.
Hermann Schmitt, der weithin bekannte Chef der Mordabteilung der Münchener Kripo, hat im Laufe seines Lebens von 243 Morden, die er zu bearbeiten hatte, 230 in zum Teil furiosen Alleingängen aufgeklärt. Seine Lebenserinnerungen, die er während zwei Jahren auf 1800-Minuten-Tonband gesprochen hat, können zu Recht als eine Entdeckung gelten. Das Buch ist etwas für Kenner der Kriminalliteratur und so etwas wie ein Lehrbuch für angehende Kriminalisten. Der dramatische Darstellungsstil des Schriftstellers Michael Preute und die profunde Sachkenntnis des Kriminalisten Hermann Schmitt qualifizieren diese Arbeit: zugleich atemberaubende Lektüre und Protokoll. Von 230 Fällen werden etwa 20 beschrieben - und zwar so, daß der Leser mehr und mehr zu verstehen vermag, wo die erkennungsdienstliche Routine aufhört und die manchmal geniale Intuition beginnt
Die Figur dieses gewieften Mordermittlers übernahm Michael Preute in seine Eifelkrimis, als den Kriminalrat Rodenstock. Eine Hommage an seinen Lehrmeister und Freund Hermann Schmitt.
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